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3.2.21 Honigtest

Mit besonderer Aufmerksamkeit schaue ich an jedem Wochenende in die Beilage »Stil” der Süddeutschen Zeitung. Darin lese ich besonders aufmerksam den halbwegs regelmäßig erscheinenden Test auf Seite 3. Da gab es einmal einen, in dem französischer Camembert untersucht wurde. Den besten und billigsten findet man bei Aldi Süd lautete das Ergebnis. Stimmt. Seitdem kaufe ich Camembert nur noch den bei dem Discounter.

Die Tests der Süddeutschen Zeitung unterscheiden sich von den meisten anderen anderen, die man im Internet finden kann. Die überschaubare Liste der ausgewählten Produkte wird von einem ausgewiesenen Experten nach einem vorgegebenen Schema untersucht. Es werden Punkte vergeben und ein Testsieger gekürt. Die Zuordnung wird mit einem kurzen Text begründet.

Am letzten Wochenende bot »Stil« den ultimativen Honigtest. Der Experte war diesmal René Frank. Er gilt, so war zu lesen, als einer der besten Patissiers Deutschlands: »In seinem Dessert-Restaurant CODA (2 Sterne, 16 Punkte) setzt er ganz auf die natürliche Süße statt auf Zucker. Bei der Blindverkostung achtete Frank besonders darauf, wie authentisch und interessant Geruch, Konsistenz und Geschmack sind“, heßt es da.

Auf der linken Seite sehen Sie den Testsieger. Die sachlichen Informationen sehen so aus: Walter Lang: Virginhonig
Herkunft: Mexiko, bio
Menge: 250 Gramm
Verfügbarkeit: Biomarkt, Gourmet-Versand
Preis: 5,99 Euro* (23,96 Euro pro Kilo)
Bewertung: 9 von 10 Punkten

Doch lesen Sie jetzt die Begründung von René Frank: „Oh wow, der riecht schön natürlich nach Holunderblüte, mit einem dunklen, karamelligen Wachsgeruch. Sogar etwas Salami ist dabei. Der Geschmack ist süß und voller Aromen. Sehr gut. Da fehlt, wenn man ganz streng sein will, nur ein bisschen Bitterkeit zum Ausgleich. Aber was für eine Wahnsinnsblüte … Aromatisch ist das eine Bombe! Der Geschmack ist superfruchtig, mit exotischen Früchten wie Passionsfrucht. Das passt super zu einer Süßspeise. Der zeigt, was Honig kann. Beeindruckend!“

Oft habe ich selbst versucht meinen eigenen Honig differenziert zu beschreiben, weil ich das »echt lecker« meiner Kunden nicht mehr hören konnte. Aber gegenüber Franks Darstellungs- und Beurteilungskunst bin ich ein nach Worten ringender Stotterer. Leider. Am liebsten hätte ich alles stehen und liegen lassen um in ein Geschäft zu gehen und Virgin Honig zu kaufen. Genauso wirkt Werbung.

Den gerade beschriebenen Testsieger sah ich noch in keinem Regal, den Verlierer allerdings schon öfter. Hier sehen Sie ihn mit seinen zwei mickrigen Punkten.

Die nüchternen Daten,
Langnese: Landhonig goldcremig
Herkunft: EU/Nicht-EU
Menge: 500 Gramm
Verfügbarkeit: Supermarkt, Bioladen
Preis: 3,99 Euro* (7,98 Euro pro Kilo)
Bewertung: 2 von 10 Punkten.

Wenn allerdings mein eigener Honig einmal so beschrieben würde, wie es Frank dem »Landhonig goldcremig« mit vernichtenden Sätzen um die Ohren haut – ich würde die Imkerei nebst Honigverkauf schamrot und grün vor Ärger an den Nagel hängen. Bei “urinig” hörte ich nur: “Verpiss Dich!«

Die Herkunfts- Angabe EU/Nicht-EU wird Ihnen nicht entgangen sein. Gegen den Unsinn dieser Bezeichnung wird seit Jahren Sturm gelaufen. Auch wir haben uns daran beteiligt.

Alles ist bis ins Detail geregelt, nur beim Honig verzichtet die EU auf eine klare Herkunftsangabe. Die deutsche Ratspräsidentschaft hatte auch kein Interesse am Honig-Schutz. Alle knickten vor den Lobbyisten ein. Auch Frau Klöckner, zuständig für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, winkte ab. Ergebnis: Man schützt unterm Strich nicht die Konsumenten sondern die Marktmacht der großen Anbieter. Die dürfen & wollen mit ihren dubiosen Panschereien ungestört das große Geld entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Honig machen. Solange die Verbraucher alles hin-und mitnehmen, Hauptsache gelb, süß und klebrig, wird sich, Gott sei’s geklagt, nichts ändern.

Wenn Sie noch einmal einen Blick auf die Etiketten werfen: Beide Honige stammen aus dem Hause Lang, dem wohl größten deutschen Honigmischer aus Bremen.