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22.11.17 Bal

Treue Leser wissen es: Auf diesen Seiten findet man allerlei Kritisches zum Hype um den neuseeländischen Manuka-Honig. Die Versprechungen über seine Wirkungen sind nahezu grenzenlos! Sogar multiresistente Keime soll er vernichten. Klar, dass die Verbraucher dafür tief in die Tasche greifen müssen. Ich kenne eine fünfköpfige Familie, die sind so Manuka-Gläubig, dass sie jede Woche ein Glas für 90,00 € zum Frühstück andächtig verzehren.

Nun kann man lesen, dass Honige aus der Türkei in ihrer „antimikrobiellen“ Wirkung „deutlich höher sind als beim Manuka-Honig“. Das will die Chemieprofessorin an der Technischen Karadeniz Universität in Trabzon, Sevgi Kolaylı, herausgefunden haben. Nähere Begründung Fehlanzeige. Erdogan wird es bestimmt freuen, denn er sieht bekanntlich die Türkei überall als führend an. Warum nicht auch beim Honig und seinen Wirkungen? Was unsere Skepsis nur noch steigert. Aber lesen sie selbst.

Wir lesen, dass die Frau Professor an der Karadeniz-Universität in Trabzon forscht und lehrt. Für die, die nicht sofort Bescheid wissen: Trabzon liegt am Schwarzen Meer („Karadeniz“). Dort allerdings wird giftiger Honig geerntet. Das Problem ist seit den Zeiten der Römer bekannt. Warum uns die Forscherin daran nicht erinnert und uns aufklärt, bleibt ihr Geheimnis. Bienen fliegen auf die wilden Rhododendren, die dort in Massen wachsen. Es scheint so, dass der Honig ihnen selbst nicht schadet. Aber sehr wohl den Menschen. Mehr. Deshalb sollten Sie genau hinschauen, von wo der Honig stammt, der im deutschen oder türkisch geführten Süpermarket angeboten wird. Sollten Sie in dennoch gegessen haben, müssen Sie nicht mehr lange herumrätseln und können den Art Ihres Vertrauens auf die richtige Spur setzen.

Auf mehreren Türkeireisen in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts habe ich ein paar Worte Türkisch gelernt. Darunter “Bal” für Honig. Das fiel mir natürlich ein, als ich die oben stehende Notiz las. Bal wiederum ist der Titel eines bemerkenswerten Films, der bei den 60. Internationalen Filmfestspielen von Berlin 2010 den Goldenen Bären gewann. Er lief auch in deutschen Kinos.

„Bal“ spielt in den Wäldern am Schwarzen mehr. Im Mittelpunkt des geheimnosvoll-anrührenden Streifens stehen der kleine Yussuf und seine Eltern. Zu seinem Vater, einem Imker, hat er ein besonders inniges und tiefes Verhältnis. Eines Tages kommt er nicht zurück und Yussuf macht sich auf die Suche nach ihm. Hier der Trailer.

Sie sollten sich den Streifen unbedingt ansehen. Die zweisprachige DVD gibt es preiswert zu kaufen.